Cleveland Browns Trades: was ist gerade passiert?

Die Cleveland Browns haben sich am vergangenen Freitag enorm umtriebig gezeigt und ein wahres Tausch-Karussell in Bewegung gesetzt. Was ist genau passiert?

John Dorsey – neuer General Manager der Cleveland Bwons – fackelte nicht lange und nahm die vielen Draftpicks seiner Mannschaft zum Anlass, sein Team schon vor dem Draft auf bessere Füße zu stellen. An einem turbulenten Freitag, wenige Tage vor dem offiziellen Start der Free Agency, konnte Dorsey einige gestandene NFL-Spieler nach Ohio lotsen.

Landry kommt von den Dolphins

Begonnen hat der Trade-Tsunami mit dem Engagement von Jarvis Landry. Der Wide Receiver wurde erst vor wenigen Tagen von den Miami Dolphins mit dem Franchise Tag belegt und verdient damit garantierte 15,982 Millionen Dollar. Diese Summe müssen jetzt die Browns zahlen, da man sich Landry gegen den Einsatz eines Viertrundenpicks (2018) und eines Siebtrundenpicks (2019) ins Team holte. Landry polarisiert die Fanszene, seine Produktion spaltet die Gemeinde: In vier NFL-Spielzeiten kam der 25-Jährige auf satte 400 Receptions, 4.038 Receiving-Yards bei 22 Touchdowns. Seine neun Touchdowns in der abgelaufenen Spielzeit stellen den persönlichen Spitzenwert dar. Allerdings, so der Vorwurf, kann Landry nicht viel Raumgewinn aus den unzähligen Catches produzieren. Tatsächlich kam Landry nur auf 8,8 Yards pro Fang – eine denkbar schlechte Ausbeute.

Die Situation des Receivers war keine einfache – sein Vertrag lief aus, ein hochdotiertes Arbeitspapier stand im Raum. Miami umging den Big-Contract indem man ihn mit dem Franchise-Tag belegte und sich so für’s erste Diskussionen um massig Geld für Landry ersparte.

Cleveland war neben den Baltimore Ravens und den New Orleans Saints an Landry interessiert und entschloss sich schließlich, den Passfänger zu holen. Man kann davon ausgehen, dass die Browns Landry nun mit dem hochdotierten Vertrag ausstatten wird. Geld – 113 Millionen Cap-Space – ist eindeutig vorhanden. Landry dürfte sich vermutlich über den neuen Vertrag von Mike Evans (82,5 Millionen Dollar, 55 Millionen garantiert) freuen, wenn er auch diese Summe nicht erreichen wird.

Warum holt sich Cleveland Landry? Weil er ihnen weiterhelfen kann. Mit Josh Gordon steht einer der talentiertesten Passfänger der Liga im eigenen Aufgebot, allerdings bleiben viele Fragezeichen, ob Gordon tatsächlich auf längere Zeit clean bleiben und sich nichts zu Schulde kommen lassen kann. Corey Coleman, Erstrundenpick des Jahres 2016, sucht noch seine Form im Profi-Football.

Wieder ein neuer Spielmacher

Nur wenige Stunden nach dem Landry-Trade, verkündete man das Engagement von Tyrod Taylor, dem bisherigen Quarterback der Buffalo Bills. Ungeliebt in der “City of Good Neighbors”, versucht Taylor nun bei den Browns seine Kritiker verstummen zu lassen. Keine einfache Aufgabe, sind die Browns doch für ihren enormen Verschleiß auf der Spielmacher-Position bekannt. DeShone Kizers Karriere war damit schon wieder beendet – zumindest in Ohio.

Cleveland gab den Bills einen Drittrundenpick im kommenden NFL-Draft (#65, also den ersten Pick der dritten Runde) um sich Taylor zu sichern. Mit ihm hat man nun einen gestandenen Spieler auf der wichtigsten Position des Sports, der sich entweder als Kurzzeit-Lösung herausstellen kann wenn man einen jungen QB draftet, oder langfristig im Team bleiben kann, sofern er denn performen sollte. Taylors Spiel kann den Browns nur guttun, seine Fähigkeiten als Passgeber als auch als Läufer sind für gegnerische Defensiven ein Graus. Vorausgesetzt man lässt ihn seine Stärken ausspielen. Taylor vermeidet Turnover (16 INTs in den vergangenen drei Jahren) – etwas, das man in Cleveland nicht unbedingt kennt.

Randall für die Defensive

Zum Abschluss des turbulenten Tages holte man sich noch Damarious Randall von den Green Bay Packers. Der ehemalige Erstrundenpick der Packers (#30, 2015) soll die Secondary der Browns verstärken. Im Gegenzug wechselt DeShone Kizer, Zweitrundenpick der Browns vergangenes Jahr, nach Green Bay. Zusätzlich wird man noch die Viert- und Fünftrundpicks im kommenden Draft tauschen.

Randall konnte seine Karriere vielversprechend beginnen und kam in seiner ersten Spielzeit auf 15 Einsätze, neun Starts und drei Interceptions bei 14 Pass Deflections. In den darauffolgenden zwei Jahren plagten ihn immer wieder Verletzungen, sodass er nur auf 24 von 32 Spielen kam. Green Bay wusste nicht wirklich, was man mit ihm anfangen sollte – gerade auch im Hinblick auf das mögliche Ziehen der Fünftjahres-Option – und gab den Safety zu den Browns ab.

Wer sind die Gewinner dieses turbulenten Tages?

Damarious Randall kann sich glücklich schätzen. Bei den Packers kam er mit seiner Rolle als Slot-Corner nicht wirklich zu Recht, bei den Browns könnte er wieder als Free Safety auflaufen (diese Position war in Green Bay von HaHa Clinton-Dix besetzt). Sollte Randall wieder als Safety auflaufen, erlaubt das Jabrill Peppers auf seine wohl besser zu ihm passende Strong Safety-Position zu switchen. Das kann also eine Win-Win-Situation geben.

DeShone Kizer kommt von den ungeliebten Browns weg, eigentlich eine Schande, da man den jungen Spielmacher förmlich unter den Bus warf. In der West Coast-Offense der Packers dürfte er seine Stärken besser ausspielen als Brett Hundley und damit auch gute Chancen haben, sich hinter Aaron Rodgers als Backup zu positionieren.

Die Buffalo Bills haben zwar derzeit mit Nathan Peterman nur einen einzigen Quarterback im Roster – und vor allem auch einen, mit dem man noch nicht als Starter gehen kann, wie wir wissen – dafür aber satte fünf Draft-Picks in den ersten 65 Plätzen. Da man über zwei Firstround-Picks verfügt, hat man genügend Material um nach ganz vorne – sprich in die Top 3, mindestens Top 5 – zu traden und sich einen neuen  Quarterback zu holen.

Wer sind die Verlierer dieses turbulenten Tages?

AJ McCarron durfte sich bekanntlich Hoffnungen auf einen Starting-Posten in Cleveland machen – mit dem Engagement Taylors dürfte dieser Zug abgefahren sein.

Was bedeutet das alles für den Draft?

Da Cleveland jetzt vorerst die Quarterback-Frage geklärt hat, ist ein unbedingtes Picken eines Spielmachers mit einem der ersten beiden Picks (#1, #4) nicht zwingend notwendig, wohl aber immer noch wahrscheinlich. Man weiß schließlich noch nicht, wie Taylor performen, kann aber mit einem zusätzlichen Rookie-Quarterback, der nicht sofort spielen muss (und im Falle der Browns ist das als Drohung zu sehen) langfristig für die kommenden Jahre gut aufstellen. Saquon Barkley mit einem der ersten beiden Picks zu nehmen mag zwar verlockend sein, allerdings auch ziemlich unnötig. Die Runningback-Position – egal wie gut der Prospect auch sein mag – muss nicht so früh ins Visier genommen werden.

Buffalo wird die Browns, Giants oder Colts reich an Picks machen, schließlich muss man sich einen neuen Spielmacher suchen. Es wird ein sehr turbulenter Draft-Tag, davon kann man ausgehen. Denn – am Montag dürfte sich klären, wo Kirk Cousins unterschreibt – und dann geht alles wieder von vorne los. Man muss die Offseason einfach lieben!

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