Mini-Camp Update: NFC North/West

Die Offseason der NFL ist in vollem Gang. Die ersten OTAs (Organized Team Activity) und das erste drei-tägige Mini-Camp der Teams sind abgeschlossen. Allgemein lässt sich sagen, dass sich die OTAs nicht sonderlich vom Mini-Camp unterscheiden. Veteran-Spieler trainieren mit, die Rookies schnuppern erstmals NFL-Luft. Es sind die letzten Einheiten vor der Sommerpause, die mit in der letzten Juli-Woche mit dem Trainingslager ein Ende findet. Darf man viel in die Minicamps hineininterpretieren? Das kommt darauf an. Fast alle Teams vermeiden so weit es geht Körperkontakt und spielen ohne Pads– man will sich nicht unnötig verletzen. So sieht es derzeit bei eurer Mannschaft aus:

NFC North

Chicago Bears

Die Quarterbacks:

Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren, insbesondere mit Rookie-QB Mitchell Trubisky. Der Neuling trainierte erstmals mit dem ganzen Team, sah vermehrt Snaps, wenn auch hauptsächlich mit der dritten bzw. zweiten Mannschaft. Man dürfte beim Plan bleiben und mit Mike Glennon in die Saison starten. Trubisky macht aber Fortschritte, fühlt sich im Team sehr wohl. Vor allem die Chemie mit den anderen Quarterbacks soll stimmen, die Verpflichtung von Mark Sanchez in der Offseason soll ihm wohl gleich viel bringen, wie schon Dak Prescott vergangenes Jahr bei den Dallas Cowboys. Sanchez agiert als Mentor, hilft bei der Entwicklung. Blickt man vom sportlichen ab fällt auf, dass Trubisky noch nicht unter Vertrag genommen wurde. Die Geschichte ist noch nicht aufregend, dennoch sollte man in den nächsten sechs Wochen eine Einigung erzielen.

Die Verletzten: 

Danny Trevathan (Knie), Zach Miller (Fuß), Kyle Long (Knöchel) und Cameron Meredith (Daumen) konnten allesamt nicht am Mini-Camp teilnehmen und sich auch noch für den Start des eigentlichen Camps fraglich. Macht in Summe vier Starter die den Bears nicht zur Verfügung stehen – alles andere als optimal. Bei Trevathan dürfte es am knappsten werden, er dürfte nur an wenigen Camp-Tagen teilnehmen können.

Die O-Line:

Head Coach John Fox will sich an einem Experiment versuchen und die beiden Guards Kyle Long und Josh Sitton tauschen (Long würde zum Left Guard werden, Sitton zum Right Guard). Long hat nicht nur mit seiner Knöchelverletzung zu kämpfen, sondern auch mit einer stark angeschlagenen linken Schulter, die eigentlich operiert werden müsste. Long ließ den Eingriff in diesen Monaten aber nicht machen, er war mit dem gebrochenen Knöchel schon genug bedient. Also will man ihn auf die linke Seite verschiffen, da dort seine linke Schulter weniger belastet wird als auf der rechten Seite. Dank Josh Sitton, dem Pro Bowl Guard, der sowohl schon rechts als auch links Erfahrung sammelte, kann man das versuchen.

https://twitter.com/ChicagoBears/status/875359345587957764

Sonst so:

John Fox strich den letzten Tag des Mini-Camps. Das ist keine Besonderheit – viele Teams lassen den dritten Tag aus.

Linebacker Leonard Floyd sprach über seine beiden Gehirnerschütterung die er in der vergangenen Saison erlitt und gab wieder einmal Aufschluss, wie wichtig eine richtige Behandlung und eine notwendige Ruhephase ist. Die zweite Gehirnerschütterung – zugezogen im vorletzten Spiel – zwang ihn zur Pause, er konnte am Saison-Finale nicht mehr teilnehmen. Allerdings betonte Floyd, dass er sich zwei Monate lang schlecht gefühlt habe und er das Gefühl hatte, nicht er selbst zu sein. Erst im Februar ließen die Symptome nach und er konnte wieder mit dem Training beginnen. Im Mini-Camp zeigte er sich in hervorragender Verfassung.

Die Rookies Tarik Cohen (Runningback) und Adam Shaheen (Tight End) überzeugten bisher auf ganzer Linie und begeistern ihre Mitspieler. Cohen dürfte für den nötigen Speed sorgen und vermehrt als Passfänger eingesetzt werden – ähnlich einer Darren Sproles-Rolle. Shaheen wird seinen Spitznamen “Baby-Gronk” bisher gerecht – allerdings spielt man noch nicht in voller Montur.

Wider Receiver Kevin White ist wieder bei 100%. Ein gutes Zeichen – schließlich warten sowohl White als auch alle Fans auf den endgültigen Durchbruch des Firstround-Picks.

Detroit Lions

Das Left-Tackle-Problem:

Die Verletzung von Taylor Decker gleicht einer mittleren Katastrophe für die Line der Lions. Decker konnte in seiner Rookie-Saison auf ganzer Linie überzeugen, verschaffte QB Matthew Stafford mehr Zeit. Da Detroit im vergangenen Jahr ob der Verletzungen sämtlicher Runningbacks kein Laufspiel forcieren konnte, wollte man heuer mit Decker voll durchstarten. In den nächsten vier bis sechs Monaten muss man sich etwas anderes überlegen – Decker fällt so lange aus. Die Verpflichtungen von Greg Robinson und Cyrus Kouandjio sollen die Lücke schließen. Beide sammelten erste Eindrücke im Mini-Camp, eine Entscheidung wer startet fällt aber erst im Camp. Robinson, der ehemalige #2 Pick des Drafts 2014, steht dabei im Fokus, er konnte bisher noch nicht überzeugen.

https://twitter.com/Lions/status/875496904280358912

Die Rookies:

Firstroundpick Jarrad Davis dürfte sich schon jetzt als MIKE-Linebacker einzementiert haben, er überzeugte in den bisherigen Drills auf ganzer Linie (bleibt abzuwarten wo die anderen Spieler unterkommen – insbesondere Tahir Whitehead, er nahm auf Grund einer Verletzung nicht an den OTAs/Mini-Camp teil).

Teez Tabor kehrte nach Oberschenkelverletzung wieder aufs Feld zurück und schnupperte erste NFL-Luft. Laut Selbstaussage ist er mit seinen ersten Spielzügen nicht zufrieden, er müsse noch viel lernen. Dennoch ist man mit ihm bis jetzt zufrieden, die Speed-Causa scheint nun – da ganz fit – nicht mehr groß beachtet zu werden.

Kenny Golladay dürfte eine echte Option für Stafford werden. Der Rookie-Receiver begeistert mit seiner Athletik, konnte viele schwere Fänge machen und ließ sowohl Stafford als auch viele andere Veteran-Spieler erstaunt zurück.

Green Bay Packers

Das Mini-Camp der Packers endete unüblich: Head Coach Mike McCarthy ließ in der letzten halben Stunde Eier aufs Spielfeld bringen und die Spieler in zwei Reihen gegenüber aufstellen – Offensive gegen Defensive – es wurden Eier geworfen. Beginnend mit fünf Yard Distanzunterschied entfernte man sich immer weiter, bis schließlich Jordan Tripp ein Ei von Coaching Administrator Omar Young über ca. 50 Yards fing und den Sieg einfahren konnte. Soviel zum Sinn der Mini-Camps.

Sonst so:

Kenny Clark dürfte kurz vor dem endgültigen Durchbruch stehen. Der Defensive-Tackle geht in seine zweite Saison bei den Cheese-Heads, gilt als einer der Stars der bisherigen Offseason. Clark präsentierte sich stärker und konnte bei McCarthy ordentlich Eindruck schinden: der Coach erwähnte am Ende des Mini-Camps, dass Clark jener Spieler sei, der sich am meisten weiterentwickelte. Wenn das im Camp so weiter geht, kann man sich viel von ihm erwarten.

Rookie Josh Jones dürfte sich schnell in die erste Mannschaft spielen. Der Zweitrundenpick konnte als Safety bisher mehr als überzeugen, hatte eine gute Offseason, trainierte hart und sorgte schon jetzt in den bisherigen Drills für Big Plays. Und das, obwohl man noch ohne Kontakt trainierte. Vom Potential her, kann das aber richtig spannend werden. Allgemein dürften die Safeties diese Spielzeit besser funktionieren als in der abgelaufenen Saison.

Die Packers haben derzeit eine enorme breite auf der Wide Receiver bzw. Cornerback-Position, nun gilt es herauszufinden wer den Sprung in die tatsächliche Mannschaft schafft. Vor allem die Receiver hinter Jordy Nelson, Davante Adams und Randall Cobb matchen sich gleich sechs Spieler. Von den neuen konnten bisher Max McCaffrey und Malachi Dupre am meisten überzeugen. Dupre fiel in die siebte Runde, ist von den Anlagen her aber sicherlich besser einzuschätzen. Bei den Cornerbacks kommt Kevin King definitiv zum Zug, Herb Waters ein vom Receiver zum Cornerback umfunktionierter Spieler, konnte bei CB-Coach Joe Whitt Eindruck schinden. Allerdings verletzte er sich an der Hand. Im Camp wissen wir mehr.

Ty Montgomery dürfte die Nummer eins im Backfield bleiben/werden. Er meldete sich mit mehr Muskelmasse zum Training, konnte auch in Sachen Beinarbeit Entwicklungen vornehmen. Außerdem hat er mit dem ehemaligen Packers-RB Brandon Jackson insgesamt neun Wochen lang an purer Pass-Protection gearbeitet. Das kann gut werden.

Minnesota Vikings

Auch die Vikings ließen das Mini-Camp gemütlich ausklingen, man trainierte nur eine Stunde – hauptsächlich individuell bzw. Red-Zone-Situationen. Ansonsten fiel in den drei Tagen hauptsächlich Linebacker Edmond Robinson auf. Der Siebtrunder spielte vermehrt mit dem ersten Team an der Seite von Anthony Barr und Eric Kendricks und dürfte als einer der Favoriten auf einen Starting-Posten ins Camp gehen.

Kicker-Duell:

Nach der Entlassung von Blair Walsh, suchen die Vikings noch nach einem passenden Kicker. Kai Forbath und Marshall Koehn matchen sich schon jetzt, konnten beide ziemlich identische Leistungen zeigen. Das dürfte noch ein längerer Kampf werden.

Sonst noch:

Die Verbindung zwischen Sam Bradford und Stephon Diggs funktioniert auch zu diesem Zeitpunkt der Saison. Diggs fing tiefe Bälle – gegen Xavier Rhodes – und scheint sich mit Bradford weiterhin hervorragend zu verstehen.

Aber auch “Sorgenkind” Laquon Treadwell konnte sich im Mini-Camp zeigen, auch er fiel mit guten Fängen bzw. Routen auf. Treadwell zeigte sich fit, spielte hauptsächlich mit der ersten Mannschaft. Die Zeichen stehen vorerst also gut.

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