Detroit Lions: und sie warten und warten und warten

Photo by Phil Ellsworth / ESPN Images

Die Detroit Lions sind durstig. Durstig nach Erfolg. Für viele Football-Fans ist das Team aus Michigan eine ewig graue Maus. Wie kann man denn Anhänger von so einer (erfolglosen) Franchise sein? Waren die überhaupt einmal erfolgreich? Gibt’s dort irgendwann einmal einen Durchbruch? Schauen wir uns das doch einfach genauer an.  

Im Super Bowl war ich noch nie

Denkt man an die Detroit Lions, fällt vielen NFL-Fans sofort die Niederlage vergangenes Jahr gegen die Green Bay Packers ein. Das ganze Spiel hatten die Lions geführt, nur um am Ende von Aaron Rodgers doch noch eine auf den Deckel zu bekommen. Absolut unnötig, zum legendären Hail-Mary Pass kam es nur auf Grund eines Face-Mask-Penalties. Mit null Sekunden auf der Uhr. Die Packers durften noch einmal ran, 15 Yards weiter vorne. Der Rest ist Geschichte. Ein klassisches Lions Spiel. Die Lacher hatte man wenigstens sicher.

Die Detroit Lions sind eines der erfolglosesten Teams der NFL-Geschichte. Hier sei explizit “NFL-Geschichte” erwähnt, vor der Zusammenlegung von AFL und NFL konnte man nämlich ganze vier mal die Liga gewinnen. Der letzte Triumph liegt allerdings 59 Jahre zurück: 1957 konnte man das letzte mal an einem Finale teilnehmen und am Ende jubeln. Seitdem müssen sich die Anhänger gedulden. Nur die Arizona Cardinals (1947) warten noch länger auf einen Erfolg. Im Gegensatz zu den Lions, hatten die Cardinals aber zumindest die Chance auf den ganz großen Wurf – 2008 stand man immerhin im Super Bowl.

Das Team ist seit 1963 im Besitz der Familie Ford: William Clay Ford Sr., Enkel von Henry Ford, kaufte das Team für die Summe von 4.5 Millionen Dollar. Bis zu seinem Tod im Jahr 2014 sollte Ford Eigentümer bleiben, derzeit führt seine Witwe Martha Ford die Geschicke des Vereins. Vieles ist passierte unter Fords “Regentschaft”: Sänger Marvin Gaye wollte in den 1970er Jahren für die Lions auflaufen, konnte sich aber nicht durchsetzen. Der Silverdome wurde gebaut, ein für damalige Verhältnisse supermodernes Stadion, das nun langsam vor sich hin zerfällt und 2001 vom Ford Field als Spielstätte abgelöst wurde. Die Stadt selbst wurde immer krimineller, Detroit als Standort unattraktiver.

Aber wie kann es sein, dass die Lions neben den Cleveland Browns, den Jacksonville Jaguars und den Housten Texans die einzige Franchise ist, die niemals im Super Bowl stand (Jacksonville und Houston wurden aber deutlich später gegründet)? Wie kommt das, dass man in Detroit einfach keinen Erfolg hat?

Ein Star reicht nicht aus

8. März 2016, es ist schon wieder passiert. Detroit verliert einen zukünftigen Hall of Famer. Nicht an ein anderes Team, sondern an den Ruhestand. Calvin “Megatron” Johnson, einer der besten Receiver die dieses Spiel jemals gesehen hat, verkündet nach nur neun Saisonen seinen Rücktritt. Die vielen Verletzungen haben ihn zu diesem Schritt bewogen. Dass er mit den Lions jedes Jahr um die goldene Ananas spielte, tut sein übriges dazu.

Lange bevor Megatron in Michigan spielte, hatten die Lions einen anderen Hall of Famer in ihren Reihen: Runningback Barry Sanders. Sanders wurde 1989 an dritter Stelle von den Lions gedrafted und gilt bis heute als einer der besten Läufer der Liga. Sanders gewann die Heisman-Trophy, die Auszeichnung für den besten College-Spieler. Zwischen 1989 und 1998 – also seine gesamte Karriere – wurde Sanders in den Pro Bowl gewählt, sechs mal wurde er als First Team All-Pro ausgezeichnet. 1997 wurde er gar zum League MVP gewählt. Teamerfolge in dieser Zeit? Eine Conference-Final-Teilnahme (1991), vier Niederlagen in Wildcard-Spielen. Man muss über Sanders reden, will man die Misere der Lions halbwegs erklären können: der Runningback kam in seinen zehn Saisonen immer auf mindestens 1.100 Rushing-Yards, 1997 auf deren 2.053. Quasi im Alleingang führte er sein Team zwischen 1993 und 1997 vier mal in die Playoffs.

Was macht man wenn man ein Kaliber wie Sanders in seinen Reihen hat? Man baut ein Team um ihn herum auf. 1990 konnte man im Draft schon an siebter Stelle wählen und man entschied sich für einen anderen Heisman-Trophy-Winner: Quarterback Andre Ware. Ware stellte 1989 26 verschiedene College-Rekorde auf, warf für 4.699 Yards und 44 Touchdowns an der Universität von Houston. Die Erwartungen in den jungen QB waren hoch, er kam in seiner Rookie Saison aber nur auf drei Einsätze bzw. nur einen Start. In diesem Spiel wurde er nach schlechter Leistung (fünf von elf Pässen kamen an – zwei Interceptions) auf die Bank verdonnert. 1991 spielte Ware in gar keinem Spiel, 1992 startete er immerhin in drei Spielen und konnte davon zwei gewinnen. Er konnte sich aber nicht als Starting-QB behaupten und kam 1993 nur noch auf zwei Starts, vor allem in Spielen, in denen der Ausgang der Saison schon besiegelt war (keine Playoff-Teilnahmen). Das sollte es dann auch mit seiner NFL-Karriere gewesen sein. Andre Ware gilt als einer der größten Busts in der NFL-Geschichte. Wie kann das sein?

Zunächst muss man Wares College-Offensive betrachten. Bei Houston spielte er in einer so genannten “Run and Shoot” Offensive, einer Formation, in der vier Receiver und ein Runningback auf dem Spielfeld stehen. Hauptaugenmerk und Erfolgsrezept dieses Konzepts ist, dass die Spieler die Defensive durch eigene Bewegung vor dem Snap so gut wie möglich lesen. Das gilt für die Receiver als auch für den Quarterback. In Detroit wusste man zu dieser Zeit nicht wirklich, mit welcher Offensive man spielen sollte. Man hatte zwar zwei Veteranen der “Run and Shoot”-Offensive als Assistans Coaches (Mouse Davis und June Jones) dennoch konnte man sich nicht auf ein Erfolgsrezept einspielen. Nicht einmal mit Andre Ware. Zudem gab es zwischen 1990 und 1993 vier verschiedene Offensive Coordinators, kein QB auf dieser Welt kann so langfristigen Erfolg haben. Die Person Ware wird hier nur deshalb so ausführlich portraitiert, um zu zeigen, wie chaotisch es mitunter bei den Lions zuging.

Zwischen 1989 und 1993 spielten fünf verschiedene QBs für die Lions. Keiner konnte überzeugen. Erst als 1994 Scott Mitchell von den Miami Dolphins zu den Lions kam, konnte man eine halbwegs produktive Offensive aufbauen. Mitchell diente in Miami der lebenden Legende Dan Marino als Backup. Zusammen mit Dave Krieg – einem Veteran-QB mit Stationen bei den Seattle Seahawks und den Kansas City Chiefs – sollte sich Mitchell um den Starting-Job matchen. Er gewann das Duell, konnte aber nur vier der ersten neun Spiele gewinnen und verletzte sich zusätzlich noch. Krieg sprang ein und führte Detroit noch in die Playoffs. Neben den QBs und Sanders war vor allem Wide Receiver Herman Moore für den Erfolg verantwortlich. Moore, ein schon wieder leicht vergessener Passfänger, wurde zwischen 1994 und 1997 vier mal in den Pro Bowl gewählt und zwischen 1995 und 1997 als First Team All-Pro ausgezeichnet. Wenn man’s so will: Moore war ein erster Megatron in Detroit. Mit Mitchell und Sanders kam man noch zwei mal in die Playoffs (1995 & 1997), man konnte aber kein Playoffspiel gewinnen.

Mitchells Zeit war 1998 vorüber, Rookie Charlie Batch übernahm für ihn. Man erhoffte sich, in Batch einen dynamischen Spielmacher gefunden zu haben, vor allem in Anbetracht, da Barry Sanders nach der Saison 1998 überraschend zurücktrat. Obwohl der Star-Runningback dem Team nicht mehr zur Verfügung stand, schafften es die Lions unter der Regie von Batch überraschend in die Playoffs. Zuvor verletzte er sich aber und konnte im Wildcard-Game (einer 27:13 Niederlage gegen die Washington Redskins) nicht eingreifen. Die Saison 2000 bildet einen deutlichen Schnitt in der jüngeren Geschichte der Lions. Batch blieb Starting-QB und führte die Lions in aussichtsreiche Position auf einen Playoff-Platz. Allerdings verletzte er sich im entscheidenden Spiel in Woche 17 an der Schulter und musste mitansehen, wie die Lions doch noch in letzter Sekunde gegen die Chicago Bears von den Postseason-Plätzen verdrängt wurden (letzte Sekunde ist hier wörtlich zu nehmen – ein last-second Field Goal sorgte für die Entscheidung). Durch dieses Verpassen der Plaoffs sollten die Lions drastische Schritte einleiten: der ehemalige FOX-Sport-Reporter Matt Millen wurde zum neuen CEO und General Manager bestimmt. Millen hatte zu diesem Zeitpunkt weder Erfahrung in Sachen Spielerentwicklung oder Front-Office-Management, war aber als Spieler ein sehr starker Linebacker und gewann mit den Oakland/Los Angeles Raiders zwei, sowie mit den San Francisco 49ers und den Washington Redskins je einen Super Bowl.

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