Mini-Camps Update: AFC North/West

Die Offseason der NFL ist in vollem Gang. Die ersten OTAs (Organized Team Activity) und das erste drei-tägige Mini-Camp der Teams sind abgeschlossen. Allgemein lässt sich sagen, dass sich die OTAs nicht sonderlich vom Mini-Camp unterscheiden. Veteran-Spieler trainieren mit, die Rookies schnuppern erstmals NFL-Luft. Es sind die letzten Einheiten vor der Sommerpause, die mit in der letzten Juli-Woche mit dem Trainingslager ein Ende findet. Darf man viel in die Minicamps hineininterpretieren? Das kommt darauf an. Fast alle Teams vermeiden so weit es geht Körperkontakt und spielen ohne Pads– man will sich nicht unnötig verletzen. So sieht es derzeit bei eurer Mannschaft aus:

AFC North:

Baltimore Ravens

Der Quarterback:

Joe Flacco dürfte sich bei 100% befinden. Der Veteran, in der Vergangenheit von schweren Knieverletzungen geplagt, kann dieses Jahr wieder am Mini-Camp teilnehmen und überraschte mit langen Laufspielzügen. Flacco, nicht für das Laufen bekannt, zeigte damit, dass er wieder volles Vertrauen in sein Knie hat. Über die Passfähigkeiten muss man nicht mehr viel sagen. Jedenfalls ein gutes Zeichen, wenn der Franchise-QB wieder voll fit ist und auch an den Camps teilnimmt. Ansonsten durfte natürlich auch Ryan Mallett ran.

Die Receiver:

In den vergangenen Tagen war einiges los bei den Ravens. Erst vor wenigen Tagen verkündete man die Verpflichtung von Wide Receiver Jeremy Maclin, der dem Team als Passfänger weiterhelfen soll. Maclin stieg am zweiten Tag ins Camp ein, nahm aber nur selten an Team-Drills teil und trainierte vermehrt individuell. Nicht weiter verwunderlich – so lange ist er noch nicht Teil der Mannschaft. Wenn er aber mit Flacco am Spielfeld stand, schien die Chemie schon zu stimmen, Maclins Geschwindigkeit lässt sich schon in den kleinen Drills erkennen.

Allerdings, so hört man, hat sich vor allem Mike Wallace von seiner besten Seite zeigen können. Der 30-Jährige konnte sich vermehrt gegen zwei Gegenspieler durchsetzen und zeigt sich jetzt schon in sehr guter Form. Egal ob als Ziel für tiefe Bälle, oder als Anspielstation in der Red-Zone – Wallace scheint sich optimal auf die neue Saison vorzubereiten, er neckte seine Gegenspieler des Öfteren.

Dennoch dürfte die erste Option für Red-Zone-Spielzüge Breshad Perriman bleiben: er fing nahezu jeden Ball von Flacco und scheint sich weiterentwickelt zu haben – gerade in Sachen Route-Running. Was man so hört, ist Perriman der Spieler, der bisher am besten auffiel, womit die Chancen auf den endgültigen Durchbruch des ehemaligen First-Round-Picks gut stehen. Er darf sich nur nicht verletzen.

Ebenfalls eine gute Entwicklung nimmt Keenan Reynolds: der ehemalige Quarterback konnte an allen drei Tagen mit guten und schweren Fängen überzeugen und schaut sehr vielversprechend aus. Auch auf Grund seiner Return-Fähigkeiten ist ein Roster-Platz für ihn nicht mehr ausgeschlossen.

Darren Waller mausert sich zu einer ernsthaften Option als Tight End. John Harbaugh ist äußerst zufrieden mit Waller, Flacco warf sehr viele Bälle auf den 24-Jährigen.

Die Line:

Mathe-Mastermind John Urschel scheint als Center in die neue Saison zu gehen, Ryan Jensen gibt den Right Guard.

Die Runningbacks:

Danny Woodhead zählt zwar schon zum alten Runningback-Eisen, dennoch dürften die Ravens einiges mit ihm vorhaben. Woodhead, der gerade von einem Kreuzbandriss zurückkommt, konnte am Camp teilnehmen und wurde von Flacco sehr häufig in Szene gesetzt. Der Quarterback geht sogar soweit und vergleicht Woodhead mit Ray Rice (natürlich nur auf die Football-Fähigkeiten bezogen) und freut sich darauf, einen Runningback im Team zu haben, der viele Bälle fangen kann. Man kann sich also vorstellen, wohin sich die Ravens entwickeln wollen. Terrance West steht immer noch zur Verfügung, Lorenzo Taliaferro scheint der Nachfolger des entlassenen Kyle Juszczyk als Fullback zu sein.

Die Rookies:

Baltimore hat alle sieben Draft-Picks unter Vertrag genommen. In den Camps zeigte vor allem Zweitrunden-Pick Tyus Bowser seine unglaubliche Stärke und beweist schon jetzt, dass der Hype der um ihn gegen Ende der Draft-Phase gerecht war. Er steckt nicht zurück und dürfte den Ravens in Sachen Pass-Rush enorm helfen. Aber auch gegen den Pass sticht er heraus, er verteidigt als Outside-Linebacker sehr viele Bälle, intercepted oder unterbricht Würfe. Bowser kann eine neue Universal-Waffe Baltimores werden.

Ebenso überzeugen konnte Chris Wormley, der viele Zeit auf dem Feld sah und sich kontinuierlich präsentierte. Als Defensive-Tackle überzeugt er mit dem nötigen Druck aber auch mit einem guten Skillset in der Deckung.

Marlon Humphrey konnte sich bisher auch gut integrieren, Rookie-Safety Chuck Clark ließ die Veteranen mit seinem guten Auge und seinen Instinkten des Öfteren staunen.

Ansonsten:

Cornerback Maurice Canady dürfte des Ersatzmann für den verletzten Tavon Young sein. Schon in den OTAs überzeugte Canady, im Mini-Camp schloss er an diese Leistungen an. Man darf sich also nicht wundern, wenn Canady den neue Nickel-Corner der Ravens gibt.

Cincinnati Bengals

Bei den Bengals tat sich in der Offseason einiges. Die O-Line zerbrach nach und nach, viele Spieler sind zudem verletzt. Einer meldete sich aber wieder fit – die größte Waffe der Bengals – Receiver A.J. Green.

Was auffällt:

Tyler Boyd lässt sich von der Verpflichtung von Rookie John Ross nicht beeindrucken. Boyd spielte vermehrt mit dem ersten Team, bekam von Dalton viele Pässe und machte seinen Job demnach sehr ordentlich. Der junge Receiver steht vor seiner zweiten Saison, dürfte neben Green und Ross als Slot-Receiver dienen. Hier liegen auch klar seine größten Stärken. John Ross wiederum wartet noch auf die Freigabe der Ärzte (Schulterverletzung) sich auf dem Spielfeld mit seinen neuen Mitspielern messen zu können. Er konnte bisher nur individuell trainieren.

Leider hat sich mit Cody Core ein weiterer junger Passfänger am Fuß verletzt. Er ging an Tag zwei des Camps zu Boden und konnte nicht mehr an den Trainingseinheiten teilnehmen. Bis zum Start des Trainingscamps Ende Juli sollte er aber wieder einsatzfähig sein.

Runningback Jeremy Hill zeigte sich ebenfalls schon in guter Form, die anwesenden Journalisten waren mit seiner Performance sehr zufrieden.

Rookie Carl Lawson zeigte seine Stärke und dürfte als Pass Rusher schnell eine große Rolle bei den Bengals erhalten. Außerdem scheint er sich schon gut ins Team integriert zu haben, während einer Regenpause sang er just den Song seines ehemaligen Colleges Auburn – alle Spieler der Defensive filmten ihn und amüsierten sich köstlich.

Joe Mixon, der begnadete aber kontroverse Runningback, meldete sich nach anfänglichen Schwierigkeiten – zehn Pfund zuviel auf den Rippen – nach dem Rookie Camp im Mini-Camp fit zurück.

Noch einmal zur Line:

Nach den Abgängen von Kevin Zeitler und Andrew Whitworth befindet sich die O-Line der Bengals in schlechter Verfassung. Im Draft holte man mit J.J. Dielman einen neuen Center, der sich aber erst von einer Verletzung erholen muss. Er konnte zwar prinzipiell am Minicamp teilnehmen, seine Einsatzzeiten waren aber nur sehr begrenzt. Trey Hopkins spielte dafür auf nahezu jeder Position in der Line und dürfte dadurch – in welcher Rolle auch immer – gesetzt sein.

Rookies verletzt:

Während Ross und Dielman zumindest individuell am Camp teilnehmen konnten, musste Brandon Wilson (Sechstrunden-Pick) weiterhin wegen einer Knieverletzung passen. Wilson konnte bisher an keiner Einheit teilnehmen, womit seine NFL-Zukunft in arge Bedrängnis gerät.

Wer kickt?

Die Frage nach dem Kicker wurde noch nicht beantwortet. Rookie Jake Elliott bekam ebenso seine Chance wie Randy Bullock und Jonathan Brown. Elliott machte bisher einen guten Eindruck, weshalb es nicht verwunderlich wäre, wenn man mit ihm als Kicker zumindest in das Trainingscamp geht.

Tyler Eifert und Gio Bernard waren am letzten Tag wieder am Feld, warten aber noch auf das grüne Licht der Ärzte um voll mittrainieren zu können. Bei Eifert (Rückenverletzung) ist die komplette Rückkehr noch ungewiss – selbst zum Start des eigentlichen Camps in einem Monat – Bernard kehrt von einem Kreuzbandriss zurück und ist ebenfalls noch in der Aufbauphase.

Cleveland Browns

Die Quarterbacks:

Wie immer viel neues bei den Browns. Mit Brock Osweiler und DeShon Kizer stehen zwei neue Spielmacher im Roster der Browns, mit David Lee auch noch ein neuer Quarterback-Coach. Wie es bis jetzt aussieht, dürfte aber Cody Kessler den Starting-Posten behalten. Alle QBs hatten Einheiten mit der ersten Mannschaft, Kessler konnte aber am meisten überzeugen. Er kennt die Mannschaft und die Philosophie die Head Coach Hue Jackson spielen will. Lee betonte aber auch die guten Leistungen von Kizer und Osweiler – wohl aber auch, dass es noch ein langer Weg sei, bis alles wirklich Hundertprozent funktioniere (Kizer erhielt sehr viel Zeit mit dem ersten Team, die Genauigkeit ist noch eines der größten Probleme des jungen QBs). Kevin Hogan ist auch noch im Mix, Jackson betonte aber, dass er sich mit der endgültigen Entscheidung des Starting-QBs noch Zeit lassen werde.

Die Katastrophe:

Myles Garrett hat sich verletzt! Der Overall-Firstround-Pick des abgelaufenen Drafts ging am zweiten Tag des Mini-Camps zu Boden und verletzte sich am Fuß, als er auf der Jagd nach dem Quarterback war. Garrett konnte das Feld ohne Unterstützung verlassen, was prinzipiell als gutes Zeichen zu deuten ist. Näher ist man bislnag nicht auf die Verletzung eingegangen. Mit seinen bisher gezeigten Leistungen war man allerdings sehr zufrieden.

Zurück am Feld

Erstmals seit Oktober stand Guard Joel Bitonio wieder am Feld, er trainierte zunächst aber nur individuell und blieb den Team-Drills noch fern. Ebenso mittrainieren konnte Corey Coleman, dessen Rückkehr nach dem Abgang von Terrelle Pryor sehnlichst erwartet wird – er trainierte vorerst aber auch nur individuell.

Kampf um Right-Tackle-Posten

Mit den Neuzugängen JC Tretter und Kevin Zeitler sieht die Line der Browns deutlich stärker aus. Der Posten des Tackles auf der rechten Seite ist aber noch vakant, Shon Coleman und Cameron Erving kämpfen darum. Wie auch schon bei den Quarterbacks will sich Jackson mit einer Entscheidung genügend Zeit lassen und erst nach dem Trainingscamp entscheiden.

Die Rookies:

Alle Rookies spielten zunächst mit dem dritten Team – Myles Garrett inklusive. Für Jabrill Peppers sowie die beiden Defensive-Linemen Larry Ogunjobi und Caleb Brantley galt das ebenso. Sie müssen sich erst beweisen. Brantley wurde übrigens von allen Anklagen gegen ihn freigesprochen und dürfte sich als echter Steal erweisen (mindestens Zweitrunden-Talent, Browns pickten ihn in Runde sechs). Allerdings ist er laut Aussagen seines D-Line-Coaches noch zu unkonstant, was in dieser Phase alles andere als verwunderlich ist.

Sonst noch:

Neo-Defensive Coordinator Gregg Williams verkündete, dass Peppers und Calvin Pryor – Neuzugang von den Jets – dieselbe Rolle spielen würden, aber auch gleichzeitig am Feld stehen könnten (man will offenbar auch mit drei Safeties spielen). Zudem plane man mit Jason McCourtey auf der Cornerback-Position (kann auch Free Safety spielen). Tank Carder spielte fast ausschließlich mit dem ersten Team und scheint der Nachfolger von Demario Davis als Middlelinbacker zu werden (wurde für Pryor getradet). Carder kann bis jetzt auf zwei Starts in fünf Spielzeiten zurückblicken. Laut Linebacker-Coach Blake Williams sei man aber mit der Entwicklung sehr zufrieden.

Pittsburgh Steelers

Das Mini-Camp der Pittsburgh Steelers stand ganz im Zeichen von Rookie T.J. Watt. Der kleine Bruder von J.J. überzeugte auf ganzer Linie, begeisterte nahezu jeden der dem Camp beiwohnte. Teamkollegen sprachen vom komplettesten Rookie den sie je zu sehen bekamen.

Watt unterzeichnete erst jüngst seinen Vertrag, er wird in den kommenden vier Jahren garantierte 9.25 Millionen Dollar verdienen.

Quo vadis Le’Veon?

Runningback-Superstar Le’Veon Bell ließ sich im Mini-Camp nicht blicken. Wie kommt’s? Die Steelers haben Bell unter den Franchise Tag gestellt, womit er – Stand jetzt – im kommenden Jahr zwölf Millionen Dollar verdienen würde und sein Vertrag nach der Saison 2017 wieder auslaufen würde. Das muss aber nicht so bleiben, man kann sich noch bis 15. Juli über eine Vertragsverlängerung (mit deutlich höherem Gehalt für Bell) einigen. Bell hat bisher den Franchise-Tender noch nicht unterschrieben, womit er rein formell nicht unter Vertrag steht – und deshalb auch nicht am Mini-Camp teilnehmen muss. Man könnte es einerseits als klassischen holdout bezeichnen – Bell will einen vernünftigen Vertrag – andererseits unterzog sich Bell jüngst erst einer Operation, die eine Teilnahme an den Team-Drills vermutlich ohnehin nicht zugelassen hätte. Alles in allem entwickelt sich die Causa Bell doch zu einer größeren Geschichte, die man so nicht unbedingt vermutet hätte.

Martavis back at work

Nach seiner einjährigen Sperre meldet sich Wide Receiver Martavis Bryant wieder zurück am Feld. Der unglaublich talentierte Passfänger überzeugte sowohl seinen Wide-Receiver-Coach Richard Mann, als auch Offensive Coordinator Todd Haley. Beide lobten seine Einstellung und betonten, dass Bryant dort anschloss, wo er vor seiner Sperre aufhörte – sein Spiel ist also nicht eingerostet.

Gleichzeitig betonte Haley, dass Rookie Juju Smith-Schuster sich sehr gut präsentierte und es mit den anderen Spielern aufnehmen könne.

Connor verletzt

James Connor plagt eine Oberschenkelverletzung, weshalb er nicht bzw. nur sehr spärlich am Mini-Camp teilnehmen konnte. Der Runningback dürfte aber zum Trainingscamp wieder fit werden.

Sonst noch?

Nicht viel. Die Pittsburgh Penguins statteten den Steelers samt Stanley Trophy einen Besuch ab, mehr aufregende Sachen gibt es aber nicht zu berichten.

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